Wem nützt eigentlich die Rauchmelderpflicht?

Rauchmelder. Der Trickbetrüger mit der Rauchmeldermasche wurde festgenommen. - Bild: Bronisz

Köln – Gegen Ende des Jahres ist sie wieder in aller Munde. Die Rauchmelderpflicht. Ab Januar 2017 müssen nun auch Wohnungen, die vor April 2013 gebaut wurden, mit Rauchmeldern nachgerüstet werden. Grundsätzlich ist ein Rauchmelder nicht verkehrt hilft er doch Leben zu schützen. Die Frage aber ist, ob es dazu eine Pflicht geben muss und wem sie eigentlich wirklich nutzt. Dass Rauchmelder Leben retten können ist unbestritten. Bei einem Brand sterben die meisten Menschen durch ersticken als durch das Feuer selbst. Insofern ist ein Rauchmelder eine wichtige und lebensrettende Anschaffung. Dennoch kann man auch vermuten, dass es nicht die Brände der letzten Jahre und Jahrzehnte waren, sondern viel mehr sinkende Umsätze die zu einer Rauchmelderpflicht in NRW und anderen Bundesländern geführt haben.

Zweifelsohne brennt es in der Advents- und Weihnachtszeit häufiger als in den Monaten davor. So gibt es Zahlen des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft, wonach es gerade in der Adventszeit zu über 11.000 Bränden kommt. Jedes Jahr. Dass sich diese Zahlen nun auch die Wirtschaft zu nutze macht, um den Absatz an Brand- und Rauchmelderprodukten zu steigern liegt da nur auf der Hand.

Rauchmelder können Leben retten. - Bild: Bronisz
Rauchmelder können Leben retten. – Bild: Bronisz

In Berlin gibt es den Verein „Forum Brandrauchprävention“ der seit dem Jahr 2000 die Kampagne „Rauchmelder retten Leben“ führt. Dessen Mitglieder sind eben diese Hersteller und Vertreiber von Rauchmeldern. Darunter Firmen wie Bosch, Bavaria Rauchmelder oder Wartungsunternehmen wie Brunata-Metrona. Seit Inkrafttreten der Rauchmelderpflicht, mit der die Vermieter in die Pflicht genommen wurden, sind die Absätze und natürlich die Umsätze entsprechend angestiegen.

Nicht nur auf die Vermieter, sondern viel mehr auf die Mieter kommen nun weitere Kosten zu. Dabei haben sie noch nicht einmal ein Mitspracherecht über die Gerätschaften, die in ihren Wohnungen eingebaut werden. So kam es bereits schon vor, dass sich ein Mieter gegen den Einbau eines Rauchmelders aus datenschutzrechtlichen Gründen wehren wollte, weil das Gerät nicht nur den Rauch misst, sondern auch Bewegungsprofile erstellen und das Umfeld mittels Ultraschall kontrollieren konnte. Diese Daten wurden dann per Funk weitergeleitet. Das Bundesverfassungsgericht hat die Klage leider nicht zur Entscheidung angenommen.

Auch die Kosten sind eine Frage, über die sich die Mieter bewusst werden müssen. Denn der Vermieter kann, -und wird-, die Kosten für den Einbau und die regelmäßige Wartung auf den Mieter umlegen. Damit bezahlt ein Mieter auf Dauer mehr, als ein Rauchmelder im Handel kosten würde. Dort gibt es gute Geräte bereits schon für unter 20 Euro. Und das wären dann einmalige Kosten. Hinzu kämen nur die Kosten für neue Batterien.

Mit den Kosten für die Mieter stellt sich aber auch die Frage ob und welche Probleme auf Mieter kommen die in einem Leistungsbezug wie ALGII oder Sozialhilfe stehen. Die Umlagen müssen nämlich aus den Regelsätzen beglichen werden. Und wie hoch diese Umlagen sind dürfte sehr unterschiedlich sein.

Die Rauchmelderpflicht ist also sehr kritisch zu betrachten. Einerseits können Rauchmelder Leben retten, andererseits greift die Rauchmelderpflicht möglicherweise in das Recht der Unverletzlichkeit der Wohnung, dem Selbstbestimmungsrecht, ggf. aber auch dem Datenschutz ein. Zweifelsohne werden aber in den Chefetagen der Hersteller und Vertreiber die Sektkorken knallen wenn man bedenkt, dass in jeder Wohnung Deutschlands mehrere Geräte eingebaut und gewartet werden müssen.

Artikel drucken

Share This:

1 Kommentar

  1. Rauchmelder retten Leben (keine Frage!) sie sind dringend erforderlich! Eine Vernetzung bei der Bewegungsprofile angelegt werden ist abzulehnen. Die Installation hat intelligent zu erfolgen. Viele Mieter nehmen die Akkus raus oder zwicken sie ab, weil sie sich plötzlich keine Würstl in der Küche mehr braten können (ohne Alarm) [26 Jahre Erfahrung; Artz & Rettungsassitent]

1 Trackback / Pingback

  1. Neues Betätigungsfeld für Betrüger

Kommentare sind geschlossen.