„Villa Lenders“ und die Platanen

Über die "Villa Lenders" sollte nicht gesprochen werden - Bild: © 2012 Bronisz

Bayenthal – Im Zuge der „3. Ausbaustufe Nord-Süd-Stadtbahn“ wird immer deutlicher welche Einschnitte und Änderungen damit verbunden sind. Die „Villa Lenders“ zum Beispiel, deren Erhalt nun gescheitert ist, wird zum Teil abgerissen und 3 zusätzliche Platanen auf der Schönhauserstraße müssen ebenfalls weichen.

Dunkle Wolken über der "Villa Lenders" - Bild: © 2015 Bronisz
Dunkle Wolken über der „Villa Lenders“ – Bild: © 2015 Bronisz

Für eine Schülerzeitung eines Kölner Gymnasiums gab ich gestern ein Interview, da man bei der Recherche über die „Villa Lenders“ öfter über meinem Namen gestolpert sei. Mir hat das Interview sehr viel Spaß gemacht, doch der Grund des Interviews war dafür sehr ernst. Aber dennoch bleibt hervorzuheben, dass die Jugend gar nicht so politikverdrossen ist wie es manchmal den Anschein hat. Und hier hat man die Hoffnung, dass eine Jugend heranwächst die hinterfragt und sich einmischt. Die Erinnerung an die „Villa Lenders“ und den ganzen „Hick Hack“ kamen dann auch gleich wieder hoch …

Es war nicht nur die „Villa Lenders“ die abgerissen werden sollte, sondern es waren zehn Häuser, darunter ein weiteres, unter Denkmalschutz stehendes Haus, die vom Abriss bedroht waren und deren Eigentümer letztlich vor der Wahl standen zu verkaufen oder ein Zwangsenteignungsverfahren in Kauf zu nehmen. Hier sei der Fall einer ortsansässigen Hebamme beispielhaft genannt, die es auf ein solches Verfahren ankommen lassen wollte, da sie ihr Haus, das als Altersvorsorge dienen soll und in dem sie ihre Praxis betreibt, bedroht sah und es nicht ohne sich zu wehren der Abrissbirne zum Opfer werden zu lassen.  Nun sind 7 dieser Häuser nicht mehr bedroht, aber unter den verbleibenden drei Häusern ist leider auch die „Villa Lenders„.

Mit dem Abriss des Hauses verschwindet aber auch das letzte Zeugnis das vom ehemaligen Ortsteil Mannsfeld übrig geblieben ist. Denn der Name „Villa Lenders“ ist für das Gebäude eigentlich falsch. Richtig ist vielmehr, dass das Gebäude von Karl-Friedrich Mann um 1870 erbaut und der Ortsteil nach ihm benannt wurde. Woher der Name „Villa Lenders“ kommt weiß wohl niemand so genau. Natürlich kann man sagen, dass der hintere Teil des Gebäudes ja wahrscheinlich stehen bleibt. Aber mal ehrlich, was will man damit noch anfangen?

Leider gab es aus der Bevölkerung zu diesem Zeitpunkt, trotz dass es nicht nur lokal bekannt war, relativ wenig Rückhalt. Dies zeigte sich auch bei einem Ortstermin den die Bezirksvertretung der letzten Wahlperiode auf Einladung des RVDL, Rheinischer Verein für Denkmalpflege, wahrgenommen hat. Die Bezirksvertreter sprachen sich für den Erhalt des Gebäudes aus und hatten auch Ideen was man mit dem Gebäude machen könnte. Die „Villa Lenders“ war übrigens auch Kandidat für das Denkmal des Monats. Natürlich gab es Proteste aus der Anwohnerschaft. Aber das waren zumeist auch nur die Betroffenen. So kamen zum Ortstermin vielleicht gerade einmal um die zwanzig Personen. Eine später stattgefundene Infoveranstaltung in der Aula der Europaschule war dann mit über 100 Personen schon besser besucht. Auch die Vertreter einer in der Nähe befindlichen Bürgerinitiative waren neben den Betroffenen Anwohnern und den zuständigen Bezirksvertreterinnen und Bezirksvertretern vor Ort was den Leiter des Amtes für Brücken- und Stadtbahnbau offenbar veranlasste zu versichern, dass er nicht gekommen sei, um über die „Villa Lenders“ zu diskutieren.

Aus für die Platanen

Platanen an der Schoenhauserstr. sollen gefaellt werden.
Platane mit Trauerflor auf der Schönhauserstr. – Bild: © 2015 Bronisz

In einer Dringlichkeitsentscheidung wegen einer notwendigen Planungsänderung wurde vor kurzem dann auch offenbar, dass sich die Zahl der zu fällenden und 70 Jahre alten und sich auf einer denkmalgeschützten Allee befindlichen Platanen mit drei zusätzlichen Platanen auf fünf erhöht. Die Planungsänderung kam wegen eines „reduzierten Grunderwerbs“ zustande wobei sich dann die Fällung der drei weiteren Bäume ergeben hatte. Der Charakter der Allee soll aber erhalten bleiben.

Hinweis einer Bürgerinitiative - Bild: © 2015 Bronisz
Hinweis einer Bürgerinitiative – Bild: © 2015 Bronisz

Der Dringlichkeitsentscheidung wurde in der Bezirksvertretung mehrheitlich zugestimmt. Eine Zustimmung von mir gab es zwar nicht, aber ich kann andererseits die Entscheidung meiner Kolleginnen und Kollegen nachvollziehen. Denn was wäre die Folge einer Ablehnung? Sie hätte lange, juristische Auseinandersetzungen im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens zur Folge, würde den Zeitablauf des Projektes erheblich stören und weitere Kosten nach sich ziehen. Insofern ist eine Ablehung oder Enthaltung eher was fürs Schaufenster und vielleicht noch dem Gewissen. Letztlich hätte nämlich der Abriss der „Villa Lenders“ und die Fällung der Platanen bei wesentlich höheren Kosten dennoch stattgefunden weil es eine Mehrheit dafür im Rat gibt und die Bezirksvertretung in dieser Angelegenheit ohnehin nur „gehört“ wird.

Immerhin. Es wird als Ausgleich eine Ersatzpflanzung von 15 Bäumen geben.

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