Trading down am Höninger Weg?

Fahrradschutzstreifen können helfen Unfälle zu vermeiden. - Bild: © 2011 Bronisz

Zollstock – Seit einiger Zeit ist am Höninger Weg und den umliegenden Straßen festzustellen, dass immer mehr Einzelhandelsgeschäfte ihre Läden schließen und diese dann von Unternehmen übernommen werden, die nicht so recht ins Stadtteilbild passen.

Schleckerfiliale nach Schliessung in Koeln-Zollstock. - Bild: © 2012 Bronisz
Schleckerfiliale nach Schliessung in Koeln-Zollstock. – Bild: © 2012 Bronisz

Nicht zuletzt der Schleckerladen auf dem Höninger Weg, zwischen Gottesweg und Theophanostraße, steht nun leer. Dies seit Ende März. Schon mehren sich die Gerüchte, dass in dem ehemaligen Drogeriemarkt ein Wettbüro oder eine Spielhalle einziehen könnte. Solche Unternehmen gereichen, um einen Stadtteil nicht nur wirtschaftlich, sondern auch in seiner Sozialstruktur hinabzuziehen.

Spielhallen und Wettbüros sind für Zollstock, wie für jeden anderen Stadtteil auch, keine Alternativen, um einen Stadtteil aufzuwerten. Leider kann man sie nicht verbieten und es bleibt jedem Vermieter selber überlassen mit wem er einen Mietvertrag abschließt. Das ist auch gut so. Dennoch, so meine ich, haben die Bürgerinnen und Bürger ein Recht darauf, ihren Stadtteil mitzugestalten. Schließlich leben sie hier. Viele sogar über Jahrzehnte.

Spielhallen, Wettbüros und Imbissbuden sind nicht der Trading-Down-Effekt, sondern vielmehr eine Folge davon. Das Wirtschaftslexikon beschreibt den Trading-Down-Effekt so:

Trading down ist ein Prozeß, der bei der Dynamik der Betriebsformen im Handel beobachtet werden kann. Dabei handelt es sich um Maßnahmen, die darauf gerichtet sind, die Kosten des Handelsbetriebes so weit wie möglich zu senken, um mit günstigen Preisen die Nachfrage von den bestehenden Handelsformen auf die neuen Handelsformen zu lenken. Bei den neuen Handelsformen entscheidet man sich bewußt für einen kostengünstigeren Standort, eine einfache Geschäftsausstattung, eine geringe Anzahl von Verkäufern, eine schlichte Form der Warenrepräsentation, eine Verringerung der Breite und Tiefe des Sortimentes sowie für eine Reduzierung der Qualität der Waren.

In der „Geschäftsmeile“ am Höninger Weg sieht man viele gleichartige Läden die untereinander konkurrieren. Insbesondere „Billig-Bäckereien“, Friseure, Handy- und Blumenläden haben sich hier angesiedelt. Vier Spielhallen im Umkreis von nur wenigen hundert Metern und ein Wettbüro am Gottesweg. Das der ständige Konkurrenzkampf mit seinen Preisnachlässen dazu führt, dass der eine oder andere Laden schließen muss weil er sich nicht halten kann, ist die Folge. Eine weitere Folge ist aber, dass nun Spielhallen- und Wettbürobetreiber versuchen, diese Leere zu nutzen. Sie werden also nur in Folge des „Trading Downs“ angelockt. Für einen Stadtteil wie Zollstock ist das fatal.

Auch am Gottesweg, wie auch in der Theophanostraße, haben schon die Apotheken zu gemacht. So bleiben „nur“ die beiden großen Apotheken an der Herthastraße und am Gottesweg/Höninger Weg. Aber es stellt sich nun auch die Frage, wer übernimmt das Ladenlokal der ehemaligen Falken-Apotheke am Gottesweg? Eine Spielhalle? Ein Wettbüro?

Dass Spielhallen Vorboten sozialen Abstiegs von Stadtteilen sind dürfte klar sein. Menschen werden mit schnellen Gewinnen gelockt, verlieren viel Geld und werden nicht selten spielsüchtig. Nein, Zollstock braucht solche Unternehmen nicht.

Auch die Falken-Apotheke steht leer. - Bild: © 2012 Bronisz
Auch die Falken-Apotheke steht leer. – Bild: © 2012 Bronisz

Auf politischer Ebene kann relativ wenig unternommen werden, um Ansiedlungen solcher Unternehmen zu vermeiden. Es gibt zwar ein Einzelhandels- und Zentrenkonzept an dem die Bürgerinnen und Bürger teilnehmen konnten. Genutzt haben es aber nur wenige. Auch den Vermieterinnen und Vermietern bleibt es selbst überlassen mit wem sie Mietverträge abschließen. Außerparlamentarisch aber können die Bürgerinnen und Bürger aber ihren Unmut durchaus äußern. Der Bezirkspolitik bleibt die Aufgabe, die Stadtteile so attraktiv zu gestalten, dass sich auch Einzelhändler wieder dort ansiedeln. Denn dann hätten sowohl die Einzelhändler, als auch die Bürgerinnen und Bürger etwas davon.

Im Falle des ehemaligen Schleckerladens könnte ich mir einen Rossmann durchaus darin vorstellen. Kommt ein Wettbüro oder eine Spielhalle sollten sich die Bürgerinnen und Bürger überlegen, ob sie dagegen angehen wollen. Dies kann z.B. eine Demo wie beim Waffenladen am Chlodwigplatz sein. Meine Unterstützung hätten sie jedenfalls.

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