„Koop“-Gräber auf dem Südfriedhof?

Viele Bäume gibt es nicht mehr in Köln. - Bild: Bronisz

Zollstock – Eines der nächsten Themen in der kommenden Sitzung der Bezirksvertretung Rodenkirchen wird die Gestaltungsplanung Kooperationsgrabfeld auf dem Südfriedhof sein. Der Kölner Stadt-Anzeiger hat sowohl in der gestrigen Print-, als auch in seiner Online-Ausgabe über diese Art von Grabfeldern berichtet.Dieser Artikel ist eine ziemlich einseitige Berichterstattung, da er bedeutsame Nachteile verschweigt und sich eher wie eine Werbung für Kooperationsgrabfelder liest. Dabei handelt es sich aber um eine Privatisierung, die einen Rattenschwanz an Nachteilen hinter sich herzieht.

Mit 63ha Gesamtfläche ist der Südfriedhof der größte Friedhof in Köln. Die beantragte Fläche von 1500qm würden dann nur 0,23% der Gesamtfläche ausmachen. Anlage 2 der Beschlussvorlage weißt aber bereits auf eine Erweiterungsfläche hin, über deren Gesamtfläche zwar nicht gesprochen wird, die aber dort genannte Anzahl der Grabstellen lässt eine Fläche von ca. 1000qm vermuten. Insofern geht es also nicht um 0,23%, sondern um 0,4%.

Dass sich die privaten Anbieter nur für die Bestattungsflächen interessieren darf angenommen werden, da sie ja die Nutzfläche ist. Die Infrastruktur, Wege, Wassernetz und die WCs bleiben weiter unter der Betreung der Stadt Köln. Die Pflege der Privatfläche übernehmen die privaten Friedhofgärtner und bekommen dafür ihr Geld. So heißt es weiter:

Bei den anfallenden Kosten in Höhe von 1.750 EUR handelt es sich um den Anteil der pro Jahr ersparten städtischen Pflegekosten, die dem Kooperationspartner erstattet werden.

Dem Kooperationspartner werden aber keine Umlagen zur Unterhaltung der Infrastruktur in Rechnung gestellt. Die Fläche wurde also früher von städtischen Friedhofsgärtner gepflegt. Hier muss man auch beachten, dass der Pflegestandard in den letzten Jahren nach unten geschraubt wurde und somit auch Arbeitsplätze entfallen konnten. Für die beantragten 1500qm und ggf. mehr braucht die Stadt jedenfalls keine eigenen Gärtner mehr, obwohl diese die gleiche Pflege zu den gleichen Preisen übernehmen könnten. Jedenfalls dann, wenn die Stadt nicht immer mehr abbauen, sondern ausbilden, qualifizieren und beschäftigen würde.

In der Beschlussvorlage bzw. deren Anlagen wurde der Individualismus angepriesen. Doch besteht dieser wirklich bei den Koop-Gräbern? Ich habe jedenfalls starke Zweifel. Liest man sich alles durch, stellt man fest, dass nur eine begrenzte Auswahl von Grabsteinen besteht oder es sind keine vorgesehen. Ein „Findling“ oder Kreuz ist schon gar nicht mehr vorgesehen. Das hat damit zu tun, dass sich die Grabstellen in eine vorgegebene Thematik einpassen müssen. Auch eine „Lieblingsbepflanzung“ ist unmöglich, da eine Dauergrabpflege beauftragt werden muss, die sich ebenfalls in die Thematik einzupassen hat. In 3 von 5 Bereichen sind auch keine Blumenbeete mehr vorgesehen, sondern eine „Abstellfläche für Gedenkfloristik“.

Ich frage mich, ob die Menschen das überhaupt annehmen werden, denn in der Beschlussvorlage heißt es weiter:

Auf der Grundlage des positiven Erfahrungsberichtes …

Dieser ist aber gar nicht so positiv wie er dargestellt wird. Denn es wurden auch Friedhain- und Urnenbestattungen mit hineingerechnet. In dem Bericht heißt es  weiter:

Die Einführung der neuen Angebote „Naturwaldbestattung“ und „Kooperationsgrabfelder“ hat sich positiv ausgewirkt. Wie die aktuellen statistischen Erhebungen für das Jahr 2009 zeigen, konnte tatsächlich dasweitere Auseinanderdriften der Kölner Sterbe- und Bestattungsfälle nicht nur gebremst, sondern sogar deutlich verringert werden. Lag die Differenz 2008 noch bei 25,96 %, sank sie in 2009 auf einen Wert von 17,22 %. In absoluten Zahlen bedeutet dies, dass bei nahezu unveränderten Sterbefällen (2008 = 9.554, 2009 = 9.534) die Bestattungszahlen von 7.074 im Jahre 2008 auf 7.892 im Jahre 2009 gestiegen sind.

Das waren gerade einmal 818 Bestattungen mehr. Zu diesem Zeitpunkt waren auf dem Kooperationsgrabfeld 51 Urnen- und 10 Grabfelder belegt. Und hier ist noch nicht einmal sicher, dass diese Menschen sich nicht ohnehin in Köln hätten bestatten lassen. Zum Pilotprojekt auf dem Melatenfriedhof gibt es auch Gegenstimmen, die im Gemeindebrief der Clarenbach-Gemeinde nachgelesen werden können.

Lassen Sie mich noch ein paar Worte zum Umweltschutz sagen, dem ich mich ebenfalls verpflichtet fühle.

Die Altbepflanzung wird nicht aus Umweltschutzgründen, sondern nur aus thematischer Sicht, so z.B. ob sie zum „japanischen Garten“ passt, berücksichtigt. Dass nicht nur Parks, sondern eben auch Friedhöfe, in denen es ebenfalls viel Grün gibt und die ja auch parkähnlich sind, Rückzugsgebiete von Vögeln und anderen, schützenswerten Tieren, bzw. Kleinlebewesen sind, wird in keiner Weise beachtet. Alte Bäume und Buschwerk werden gefällt und ausgerissen oder zurückgeschnitten. Eine Ersatzbepflanzung erfolgt nur aus gestalterischer, nicht aber aus ökologischer Sicht.

Ich kann dieser Beschlussvorlage in meiner Sicht so nicht zustimmen.

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