Köln – Erster Protest gegen den Ost-West-Tunnel

Die Tunnellösung wird heftig kritisiert. - Bild: Bronisz

Köln – Etwa 200 Personen beteiligten sich am 29.06. an einer Demonstration gegen den Bau eines Stadtbahntunnels auf der Ost-West-Achse. Auf einer Auftaktkundgebung auf dem Heumarkt wurden symbolisch mit einem Betonmischer die Milliarden in Beton versenkt. An den Auftakt anschließend zog die Demonstration auf der Ost-West-Achse entlang der Cäcilienstraße zum Neumarkt.

Der Kinderarzt Christian Döring legte auf der Auftaktkundgebung ausführlich die gesundheitlichen Gefahren dar, die sich aus Luftschadstoffen ergeben. Stickoxide und Feinstaub belasten vor allem die Atemwege von Kindern. Ein schneller Ausbau des ÖPNV, der oberirdisch erreichbar ist, und ein Zurückdrängen des Autoverkehrs seien daher dringend nötig.

Angela Bankert, Gewerkschaftssekretärin bei der GEW Köln, wies in einer kämpferischen Rede auf die Langwierigkeit und Komplexität eines Tunnelbaus hin. Dadurch würden Fachkräfte gebunden und aus anderen Bereichen abgezogen, obwohl zum Beispiel der Schulbau eine Mammutaufgabe für die Stadt Köln sei. Engelbert Becker sprach für die Initiative „Frische Luft für Mülheim“. Er forderte einen Ausbau des ÖPNV in den äußeren Bezirken und plädierte daher für einen schnellen oberirdischen Ausbau auf der Ost-West-Achse.

Otttmar Latthoff führte für NaBis am Beispiel der Nord-Süd-Bahn aus, wie in Köln Steuergelder in enormer Höhe für verkehrspolitisch unsinnige Projekte ausgegeben werden. Mark Zorko von der Umweltgewerkschaft machte deutlich, dass ein gut ausgebauter und für die Bevölkerung kostenlos zu nutzender ÖPNV keineswegs „unbezahlbar“ sei. In Wirklichkeit würde dies die Gesellschaft viel billiger kommen, als das gescheiterte, mit hunderten Milliarden Steuergeldern und Gesundheits-Folgekosten subventionierte Konzept des individuellen Autoverkehrs. Dieses nütze vor allem den Autokonzernen.

Auch der Bezirksbürgermeister Innenstadt, Andreas Hupke, kritisiert die Tunnellösung. – Bild: Bronisz

Andreas Hupke, Bürgermeister des Stadtbezirkes Innenstadt, warnte eindringlich vor den zu erwartenden städtebaulichen Schäden. Die Tunnelmünder würden Schneisen in die betroffenen Viertel schlagen. Lehren aus dem Stadtbahnbau unter den Ringen zeigen zudem, dass der freiwerdende Verkehrsraum eher für den Autoverkehr genutzt werde als für Rad- oder Fußverkehr.

Der Auftaktkundgebung auf dem Heumarkt stattete die Critical Mass einen Besuch

  1. Die Demonstranten hießen mit Applaus die über 1.000 Radfahrer*innen der Critical Mass willkommen, die monatlich unter dem Motto „Wir sind der Verkehr“ durch Köln radelt, und wurden durch ein Konzert von Fahrradklingeln zurückgegrüßt.

Zur Demonstration aufgerufen hatten (in alphabetischer Reihenfolge) die folgenden Organisationen und Einzelpersonen: Agora Köln, Attac Köln, Colonia ELF, DIE LINKE.Köln, DKP Köln, Dr. Christian Döring, Frische Luft für Mülheim, GEW Köln, MLPD (Kreisverband Südliches Rheinland), NaBiS, Naturfreunde Kalk, Jugendverband REBELL Köln, Recht auf Stadt, Boris Sieverts, Sozialistische Alternative SAV, Umweltgewerkschaft Köln-Leverkusen. Das Bündnis bewertet die Demonstration als ersten Erfolg.

Die Auseinandersetzung steht erst am Anfang. Um weitere Aktionen gegen den geplanten Ost-West-Tunnel und für einen Ausbau des ÖPNV in ganz Köln zu diskutieren, trifft sich das Bündnis das nächste Mal

am 09. Juli 2018

um 19.00 Uhr

in der Alten Feuerwache, Melchiorstraße 5, 50670 Köln.

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