Keine Haltestelle vor St. Pius

Einzelticket bedeutet Fahrpreissteigerung für Kölnpass Inhaber. - Bild: Bronisz

Zollstock – In der letzten Sitzung der Bezirksvertretung Rodenkirchen stand unter dem TOP 9.2.4 eine Beschlussvorlage auf der Tagesordnung, die vorsah, eine Bushaltestelle auf dem Gottesweg vor der Kirche St. Pius einzurichten. Grund für diese Beschlussvorlage ist das Ansinnen Zollstocker Seniorinnen und Senioren, die Zollstock-Arkaden, in denen sowohl Versorgungszentrum, als auch Arztpraxen zur Verfügung stehen, barrierefrei zu erreichen.

Mit einer „Rollatoren-Demo“ hatten die Senioren schon 2014 auf das Problem aufmerksam gemacht und bis 2015 auch rund 1800 Unterschriften gesammelt. Nur forderten sie eine Busanbindung an die Arkaden und nicht, wie es Verwaltung und KVB präferieren, eine Haltestelle vor St. Pius. Denn dabei würde sich an dem Problem vorhandener Barrieren nicht wesentlich was ändern.

Angedachte Haltestelle vor St. PIUS
Vermutlich müssten nicht nur die Parkplätze, sondern auch die Bäume weichen. – Bild: Bronisz

In der o.g. Beschlussvorlage lehnen Verwaltung und KVB u.a. auch aus „Wirtschaftlichen Gründen“ eine Anbindung durch die Buslinie 131 und 138 direkt vor den Zollstock-Arkaden ab. Auch von einer zusätzlichen Belastung für die Anwohner ist die Rede. So heißt es im Vorschlag 2: „Von diesem Vorschlag wären somit viele Fahrgäste und Anwohner negativ betroffen gegenüber relativ wenigen Begünstigten, weshalb dieser Vorschlag aus Sicht der Fachverwaltung ebenfalls nicht vertretbar ist.“ Dies erscheint mir reichlich zynisch und ich bin sicher, dass die betroffenen Fahrgäste und Anwohner selbst wissen, dass sie irgendwann einmal auch zu den „relativ wenig Begünstigten“ gehören und froh sein werden, wenn sie barrierefrei ihre Arztpraxen und Versorgungszentren erreichen können.

Auch die Wirtschaftlichkeit kommt in der Beschlussvorlage nicht zu kurz, um eine Ablehnung an eine Anbindung der Buslinie 138 oder 131 an die Arkaden zu begründen. So meinen Fachverwaltung und KVB, dass mangels Fahrgäste und einer Streckenverlängerung von etwa 1,8 bzw. 2,8 Kilometer eine Anbindung an die Arkaden nicht vertretbar erscheinen lässt. Nun wirbt die KVB ja auch mit dem Begriff „Daseinsvorsorge“. Dies ist ein typisches Beispiel dafür, wie Wirtschaftlichkeit über die Daseinsvorsorge gestellt wird.

Dass eine Haltestelleneinrichtung vor St. Pius ebenfalls zu schweren Problemen und Konflikten führt ist in der Beschlussvorlage nur teilweise zu lesen. So weißt die Verwaltung darauf hin, dass 12 Parkplätze entfallen und die Ampelanlage auf dem Gottesweg durch einen Fahrbahnteiler und Zebrastreifen ersetzt wird. Alleine das sorgt bereits jetzt schon für Konflikte, da man auf die Parkplätze nicht verzichten möchte und der Wegfall der Ampelanlage bei Eltern Sorge um ihre Kinder beim Schulweg aufkommen lässt. Dass aber bis zu 8 Bäume, jeweils 3-4 auf jeder Straßenseite, einer Haltestelleneinrichtung zum Opfer fallen können ist aus der Beschlussvorlage nicht zu sehen. Und das alles nur aus Gründen der Wirtschaftlichkeit.

Die Bezirksvertretung hat die Beschlussvorlage, leider nicht einstimmig, mit folgendem Prüfantrag geändert und zumindest vorerst die Einrichtung einer Haltestelle vor St. Pius gestoppt. Der Antragstext lautet: „Die Bezirksvertretung Rodenkirchen empfiehlt dem Verkehrsausschuss folgenden geänderten Beschluss zu fassen: Die Anbindung der Zollstock-Arkaden an den ÖPNV bleibt derzeit unverändert. Die Bushaltestelle an St. Pius wird nicht eingerichtet. Die Verwaltung prüft, wie die Linie 138 wirtschaftlicher die Zollstock-Arkaden anbinden kann; z. B. Meschenich – Bhf Kalscheuren – Eifeltor – Zollstock – Zollstock-Arkaden – Südbahnhof – Universität.“

Da ich das Ansinnen der Seniorenvertretung von Anfang an unterstützt habe, habe ich diesem, von der SPD eingebrachten Antrag zugestimmt. Die Bezirksvertretung Rodenkirchen kann in dieser Sache nur eine Empfehlung aussprechen. Entscheiden wird der Verkehrsausschuss. Deswegen ist es um so wichtiger, dass die Zollstockerinnen und Zollstocker, so sie ebenfalls keine Haltestelle vor St. Pius wünschen und die Bäume erhalten möchten, dies auch bei Zeiten entsprechend an den Verkehrsausschuss artikulieren und damit die Seniorinnen und Senioren in ihrem Ansinnen unterstützen.

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