Infoveranstaltung in Zollstock zur geplanten Flüchtlingsunterkunft

Zur Menschenwürde gehört auch eine entsprechende Unterbringung. - Bild: Bronisz

Zollstock – Vollkommen überfüllt war das Clubheim des SV Rot/Weiß Zollstock, als am Montag die Informationsveranstaltung zum geplanten Flüchtlingsheim in Zollstock stattfand. Etwa 150 Zuhörer quetschten sich in dem kleinen Saal des Clubheims zusammen und weitere Interessierte, die nicht mehr hinein passten, standen vor den offenen Türen. Eine gute Wahl der Örtlichkeit war dies also nicht. Jedoch war sie der Tatsache geschuldet, dass sich andere Örtlichkeiten nicht finden ließen.

Zwar konnte man schon vor dem Einlass bei einigen die Ablehnung gegenüber der geplanten Flüchtlingsunterkunft deutlich anmerken. Aber bei weitem nicht bei allen. Josef Ludwig, Leiter des Kölner Wohnungsamtes, stellte den interessierten Zuhörern dann auch an einer Folie, die hier heruntergeladen werden kann, dar, wie die Unterkunft aussehen und welcher Personenkreis sie belegen wird. Demnach kommen überwiegend bereits im Bezirk integrierte Familien aus dem Iran, Irak und Syrien deren Kinder hier auch schon zur Schule gehen. Der überwiegende Teil kommt aus der Wohnunterkunft in der Rodenkirchener Ringstraße.

Eine in unmittelbarer Nachbarschaft ansässige Neonazi-Gruppierung versuchte die Infoveranstaltung zu stören und schrie ihre dumpfen Parolen durch den Raum. Der Versuch von ihnen, die Teilnehmer der Veranstaltung zu Filmen und zu fotografieren wurde sofort unterbunden. Zudem bekamen sie auch direkt Gegenwind durch überwiegend jüngere Zollstockerinnen und Zollstocker, die sie mit „Nazis-Raus“-Rufen aufforderten, den Raum zu verlassen. Auch Georg Brombach von der Siedlergenossenschaft in Zollstock meinte, wer sich mit den Flüchtlingen angelegt, legt sich mit uns an und räumte auch mit dem Gerücht auf, dass die Flüchtlinge der Siedlergemeinschaft „Etwas wegnehmen“ würden.

Es ist davon auszugehen, dass sich, ähnlich wie in anderen Stadtteilen auch, Willkommensinitiativen bilden werden. Dazu wird es auch in Zollstock Treffen und Gespräche geben. Auch der hiesige Bürgerverein hat schon vor einiger Zeit seine Unterstützung signalisiert. Dennoch muss man die Unterkünfte, die Ende 2018 bzw. Anfang 2019 errichtet werden, alleine schon wegen der Nähe der ortsansässigen Neonazi-Gruppierung im Auge behalten.

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