Infostände sind sichtbare Zeichen des Wahlrechts

Infostand in Zollstock - Foto: Bronisz

Zollstock – Wo immer man auch hingeht, man kommt an ihnen nicht vorbei. Wie immer vor Wahlen verteilen die Parteien ihre Flyer, werfen Flyer in die Briefkästen, plakatieren die Laternen und bauen ihre Infostände auf. So natürlich auch in Zollstock. Manch einer fühlt sich belästigt, manch anderer ist für die Gespräche und die Infos dankbar. Heute war es auch in Zollstock wieder soweit.

Am Höninger Weg/Gottesweg waren zwei Stände vorhanden. Einer von DIE LINKE., der andere von der SPD. Ungewöhnlich, da es sonst immer vier oder fünf Stände gibt. Denn auch CDU, Grüne und die FDP informieren in den Stadtteilen. Nun könnte der Artikel hier zu Ende sein, denn was will man eigentlich großartig über Infostände auch schreiben? Doch hinter den Infoständen verbirgt sich nicht nur der reine Wahlkampf, sondern es stehen dort Menschen, die sich, -unabhängig ihrer Parteizugehörigkeit-, für die Belange ihrer Veedel und für Demokratie einsetzen. Auch die, die heute in Zollstock keinen Infostand hatten.

Es geht an den Infoständen nicht nur um das Verteilen von Flyern und Broschüren, nicht um kleine Geschenke wie Kugelschreiber oder Luftballons. Freilich möchte natürlich jede demokratische Partei so viel Stimmen bekommen wie möglich. Letztendlich ist ein Infostand oder eine Parteiveranstaltung, aber auch Veranstaltungen wie die Podiumsdiskussion vor wenigen Tagen, gelebte Demokratie. Etwas, was wir heute als selbstverständlich erachten, was aber in dunkleren Zeiten gar nicht selbstverständlich war und erst wieder erkämpft werden musste.

„Niemand behauptet, dass Demokratie perfekt ist oder der Weisheit letzter Schluss. In der Tat wurde gesagt, dass Demokratie die schlechteste Regierungsform ist, mit Ausnahme all der anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert wurden.“ -Winston Churchill. 11. November 1947 in einer Rede im britischen Unterhaus.-

Wir sollten froh sein, dass die Parteien, so sie demokratisch sind, die Möglichkeit haben, Menschen mit ihren Infos zu überzeugen. Dies ist ein wichtiges Instrument in der Demokratie. Und es wäre schön, wenn Menschen nicht genervt darauf reagieren, sondern viel mehr realisieren, dass es Zeiten und zwei deutsche Staaten gab, in denen das nicht möglich war. In denen Menschen dafür, dass sie eine andere Ansicht hatten, erheblichen Repressionen bis hin zur Todesstrafe ausgesetzt waren.

Infostand in Zollstock – Foto: Bronisz

Infostände informieren nicht nur. Sie sind sichtbares Zeichen für eines der wichtigsten Rechte in unserer Demokratie. Nämlich dem Wahlrecht. Isis Becker, die heute mit am Infostand der Linken war, formulierte dies so: „Ich gehe wählen, denn wenn ich dies nicht tue besteht die Gefahr, dass ich von politischen Parteien regiert werde, die ich nicht will.“ Auch Rafael Struwe, für die SPD am Infotisch, sagt: „Bei der Bundestagswahl werden die Weichen für die nächsten 4 Jahre gestellt: Wo soll es hingehen mit unserem Land!? Jede Stimme hat dabei einen kleinen, aber gleich wichtigen Anteil. Wer nicht wählen geht, lässt andere für sich bestimmen. Daher: Nimm‘ die Zukunft selbst in die Hand und geh‘ wählen!“

Wir leben in Zeiten, in denen eine zwar demokratisch gewählte, aber undemokratische Partei mit erheblichen Bezug nach rechts außen mit im Bundestag sitzt. Und alle Umfragen sprechen dafür, dass dies im nächsten Bundestag wieder so sein wird. Daher schließe ich mich den o.g. Äußerungen an und kann ebenfalls nur nachdrücklich empfehlen: „Geht wählen!“

Artikel drucken

Share This:

1 Kommentar

  1. Danke für dieses eindrückliche Plädoyer über die Sinnhaftigkeit der guten alten Infostände und die Gepflogenheiten demokratischen Wettbewerbs. Ich sag‘ ja immer: Dass du dich nicht für Politik interessierst, hindert die Politik nicht daran, sich für dich zu interessieren. Oder: Wer nicht handelt, wird behandelt. Und ab sofort: frische Pfifferlinge:-)

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*