Heinrich Böll – Ausstellung „Humane Fotografie“

Über Heinrich Böll, ein Gespräch zwischen Dr. Miriam Halwani (Ludwig Museum Köln) und dem Filmemacher Volker Schlöndorff. - Bild: Hans-Dieter Hey/r-mediabase.eu

Köln – Mit einer Fotoausstellung ehrte das Museum Ludwig am 24. Oktober in Köln den Kölner Schriftsteller, Literatur Nobelpreisträger und Deutschen Humanisten und Pazifisten Heinrich Böll. Er wäre im Dezember 100 Jahre alt geworden. Ein Gepräch zwischen Dr. Miriam Halwani, Kuratorin für Fotografie am Museum Ludwig und Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff, der Themen von Böll verfilmte und ihn als „große moralische Instanz“ sieht.

Schlöndorf produzierte den Film „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“, welcher Themen „einer vergifteten Zeit“ (Böll) aufgriff aus einer Gesellschaft, die noch durch alte und wieder neue Nazis geprägt wurde. Eine Zeit des kalten Krieges, der Atomrüstung, des linken Aufbruchs, aber auch des Terrors. Damals wurde Heinrich Böll heftig von der Springer-Presse, insbesondere durch die BILD- Zeitung als „der geistige Vater der Gewalt“ der Baader-Meinhof-Bande gebrandmarkt.

Kein Interview mit „BILD“

Der Angriff war in den 1970er Jahren so heftig wie persönlich, dass sein Sohn und Fotonachlass-Verwalter René Böll der „BILD“-Zeitung bis heute kein Interview gibt. „Wir sind ja auch in der Presse sehr diffamiert worden – die ganze Familie, nicht nur mein Vater. Ich habe eben auch mich geweigert, der Bild-Zeitung ein Interview zu geben. Das mache ich bis heute nicht. Da gibt es Grenzen. Springer-Presse ist für uns tabu – bis heute“, äußerte er im Deutschlandradio Kultur.

Die eigene Geschichte der Verfolgung durch die Boulevard-Presse war dann auch Anlass für seinen Roman „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ und spätere Verfilmung durch Schlöndorff. Blum wurde im Film durch Gossenjournalismus und Regenbogenpresse ebenso unschuldig verfolgt wie Böll. Sie wird schließlich zur Mörderin.

Nicht visuell – aber bildaffin

Nein, meint Schlöndorff, visuell war Böll sicher nicht. Und trotzdem hatte er offenbar eine gute Vorstellung davon, was fotografisch wirkt, changierend zwischen Realität und Ironie wie in seinen Texten. Dabei dachte er stets menschlich und sozial. Er schien sogar von Film und Fotografie fasziniert, nutzte sie aber nur als Gedächtnishilfe.

Miriam Halwani: „Ich habe mich gefragt, ob er nicht schon beim Schreiben einen Film vor Augen hatte. Wir wissen, dass sich Böll um filmische Erzählung Gedanken gemacht hatte“.
Es geht in der Ausstellung um die Bedeutung der Fotografie für Bölls Gedankenwelt, für sein geistiges Schaffen. Bilder in neun Fotobänden, beispielsweise für seinen Roman „Frauen vor Flusslandschaft“ – sie wurden von seinem Sohn René Böll aus der Bonner Gegend gemacht.

„Die Humane Kamera“

„Es war“ – so Volker Schlöndorff – aber „für ihn nur Dokumentationsmaterial… Er beschreibt die Menschen von innen her, dass, was sie sagen.“ Eigene fotografische Meisterleistungen waren daher sicher nicht zu erwarten. Allerdings hatte Böll zur Fotografie etwas zu sagen. Beispielsweise schrieb er Texte und Vorworte zu fotografischen Werken von Heinz Held, Chargesheimer, August Sander oder für Drehbücher.

Halwani: „Die Fotografie in vielen Formen war ihm dienlich oder er hatte über sie nachgedacht. Ich würde sagen, wenn überhaupt, rückte Heinrich Böll der Fotografie auf die Pelle, indem er eine kritsche Stimme war – und ein früher Warner vor Missbrauch der Fotografie zur Überwachung und zur Denunziation und zur Entwürdigung vielleicht auch“ äußert sie auf der Webseite des Museums und bezieht sich auf Bölls Essay „Die Humane Kamera“ von 1964, erschienen zur „Weltausstellung der Fotografie“. Dort hatte er Forderungen aufgestellt „dass Menschen nicht denunziert werden sollen, ihnen nicht auf die Pelle gerückt wird, dass die Intimsphäre bewahrt wird und er orientiert sich an den Artikeln der Menschenrechte, nach denen man Menschen mit der Kamera nicht verfolgen darf.“ Die Ausstellung ist im Kölner Ludwig-Museum noch bis zum 7. Januar zu sehen.

Zur Bilderstrecke bei R-mediabase.

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