Gegendemo zur NPD-Kundgebung am Heumarkt

Die NPD hatte keine Zuhörer auf dem leeren Heumarkt. - Bild: Bronisz

Köln – Auf ihrer „Deutschlandtour“ veranstaltete die NPD auch eine Kundgebung am Heumarkt. Das heißt, sie versuchte eine Kundgebung zu veranstalten. Etwa 120-150 Gegendemonstranten aus Linke, Grüne und Gewerkschaften ließen es erst gar nicht zu einer Kundgebung werden.Gegen 15:00 Uhr trafen am Heumarkt die ersten Gegendemonstranten ein, um dann, zwischenzeitlich schon auf etwa 120 Personen angewachsen, gegen 16:15 Uhr den eintreffenden NPD-LKW mit einem massiven Pfeifkonzert zu empfangen. Während die „Kameraden“ der NPD mit dem Aufbau der Lautsprecher beschäftigt waren wuchs die Zahl der Gegendemonstranten noch einmal an.

Die NPD hatte keine Zuhörer auf dem leeren Heumarkt. - Bild: Bronisz
Die NPD hatte keine Zuhörer auf dem leeren Heumarkt. – Bild: Bronisz

Die auf etwa 8-13 Personen geschätzte Gruppe der NPD, die keine eigene Zuhörerschaft hatte und damit ohnehin in die Leere gesprochen hätte, jedenfalls waren keine eigens zu dieser Kundgebung angereisten Neonazis zu erkennen, schaffte es selbstverständlich nicht ihr verqueres und menschenverachtendes Weltbild unter’s Volk zu streuen. Gegen das massive Pfeifkonzert mit mit bis zu 150 Trillerpfeifen kam die NPD nicht an. Hier zeigte sich wieder einmal, dass das couragierte Entgegentreten gegen Rechtsradikalismus erfolgreich war.

Es stand während der Gegendemonstration die Frage im Raum, warum den Nazis eigentlich eine Lautsprecheranlage erlaubt war. Die Antwort eines Polizisten war, dass diese Kundgebung eine Wahlveranstaltung gewesen sei. Dies ist eigentlich verwunderlich, denn in diesem Jahr finden in NRW keine Wahlen statt und die Bundestagswahl ist erst 2013. Erlaubt sind Lautsprecher und Megaphone erst ab einer Teilnehmerzahl von 50 Personen.

Zudem darf die Frage aufgeworfen werden, warum in der Kölner Bevölkerung von der Kundgebung kaum bis nichts bekannt war? Immerhin kamen bei den PRO KÖLN Veranstaltungen über tausend Menschen und mehr, um gegen diese rechte Gruppierung zu demonstrieren. Am heutigen Tag war das aber nicht der Fall. Eine Kundgebung muss angemeldet werden. Insofern muss auch der Stadt Köln bekannt gewesen sein, dass die NPD heute den Heumarkt für ihre Veranstaltung nutzt. Und damit muss auch genügend Zeit vorhanden gewesen sein, um eine Gegendemonstration zu mobilisieren.

So blieb es leider bei den 120-150 Gegendemonstranten die sich durch Eigenmobilisierung auf dem Heumarkt trafen und erfolgreich gegen die NPD-Veranstaltung demonstrierten. Was bleibt ist die Frage, konnte oder wollte die Stadt Köln nicht gegen rechts mobil machen. Wird eventuell eine Strategie des Verschweigens gefahren, weil man annimmt, dass dann ohnehin keine Anhänger der Nazis kämen?

Immerhin war es auch der Polizeipräsident, Wolfgang Albers, der bei einer PRO KÖLN Kundgebung empfahl die Fenster zu schließen und die Rolläden runterzulassen, um damit dem Aufmarsch der Rechten keine Beachtung zu schenken. Wegschauen halte ich für keine Strategie und für den falschen Weg.

Auch wenn die Gegendemonstration ein voller Erfolg war. Köln hat sich heute leider nicht quergestellt. Mit Urlaub alleine kann man dies nicht begründen …

Update 25. Juli 2012: Offenbar sollen sich etwa sechs NPD-Sympatisanten auf dem Heumarkt befunden haben.

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