Fotoausstellung zum Thema Polizeigewalt

Köln – Das überraschend politische Thema der diesjährigen Photoszene der Photokina 2016, die vom 20.-25. September in Köln stattfindet, heißt „lnnere Sicherheit“. Die meisten ahnen sofort, worum es geht. Dass unkontrollierte Polizeigewalt auch die innere Sicherheit betrifft, darauf kommt man nicht sofort. Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (DdP), Oliver Malcho, im Mai 2015 in „Deutsche Polizei“: „Meinen Kolleginnen und Kollegen schlägt im Alltag viel Aggressivität und Respektlosigkeit entgegen. Das Unrechtsbewusstsein vieler Bürger tendiert gegen Null, auch wenn sie gravierende Verfehlungen begangen haben. Tätliche Angriffe nehmen an Brutalität zu.“ Das kann sein, aber oft müssen Polizisten den Kopf für falsche politische Entscheidungen herhalten, gegen die Proteste gerechtfertigt sind, aber staatlich nicht geduldet werden. Die Spaltung der neoliberal verfassten „Werte“-Gesellschaft und eine damit einhergehende Brutalisierung und Verrohung sind das Ergebnis.

Blockupy Aktionstage Frankfurt Mai 2012
Polizeigewalt – Bild: Christian Martischius/r-mediabase.eu

Überzogene Polizeieinsätze in Heiligendamm 2008, gegen Blockupy 2O12 und 2O13 in Frankfurt, bei Protesten gegen die Landschaftszerstörung durch Braunkohletagebau oder gegen Nazizusammenrottungen gab es zahlreich. Der Grundrechtereport 2016 weist auf eine Vielzahl weiterer rechtswidriger Polizeimaßnahmen, die öffentlich kaum erwähnt werden. Beispielsweise gab es 2O1O über 1OO Verletzte bei einem aus dem Ruder gelaufenen Einsatz bei einer Demo gegen „Stuttgart 21″. Atomkraftgegner werden unzulässig als Linksextremisten gespeichert, rechtswidrige Tatprovokateure der Polizei werden gerichtlich verschont oder es gab Gewalt in Polizeigefängnissen in Weimar, Dessau oder Hannover.

Bereits 2004 beschwerte sich Amnesty International, dass eine Untersuchung derartiger Vorfälle von der Politik verweigert wird oder gerichtlich keine Konsequenzen folgen. Betroffene scheuen den Klageweg, Anzeigen werden umgedreht in „Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte“. Die TAZ zitierte am 12. Februar 2O16 aus einem juristischen Aufsatz: ,,Es gilt das Prinzip: Nichts verlässt den Funkwagen – weder nach oben noch an die Öffentlichkeit“. Im Jahr 2014 wurden 2.138 Polizisten angezeigt, aber nur 33 angeklagt. Das ist weniger als marginal und wirft ein düsteres Licht auf Rechtsstaat und Verfahrensgleichheit. Im Jahr 2008 wird ein Taz-Journalist von einem Polizisten geschlagen, im Jahr 2013 wird einem Fotografen während seiner Arbeit Reizgas direkt in die Augen gesprüht. Dazu passt, dass dokumentierenden Journalisten unter vorgeschobenen Sicherheitsaspekten der Zugang zum Berichtsort verweigert oder Platzverweise erteilt werden, berichtete ZAPP am 4. Mai 2015.

Der Polizeiwissenschaftler Rafael Behr am 5. Juli 2O15 in der „Welt“: „Wir müssen weg von der Annahme, bei polizeilichen Straftaten könne es sich nur um die Entgleisungen einzelner schwarzer Schafe handeln – hin zu der Erkenntnis, dass die Versuchung zu unverhältnismäßiger Gewalt Polizisten ständig begleitet“.

R-mediabase präsentiert von 22. bis 25. September 2016 eine Auswahl von Fotografien und eine Videoinstallation zum Thema # lnnere Sicherheit : Polizeigewalt und fordert zum Diskurs auf.

Geöffnet ist von 11 bis 22 h, Vernissage am 22.9. um 19 Uhr. Parken kann man auf dem 20O m entfernten Auerbachplatz kostenlos, die Linie U 9 hält Lindenburg/Universitätskliniken. Von da sind es wenige Minuten.

Die Vernissage findet in der Galerie Studio NOVO Artspace, Sülzburgstraße 189, 50937 Köln, statt.

Beitragsbilder © Christian Martischius/r-mediabase.eu

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1 Kommentar

  1. Zunächst Gewalt gegen Polizei Rettungsdienst ist nicht akzeptabel! Jedoch gehören *alle* Übergriffe dokumentiert und aufgeklärt. Weder brauchen wir noch wollen wir amerikanische Verhältnisse! Ich fordere hier Transparenz, auch von politischer Stelle.

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