Dem Erdboden gleichmachen – Denkmalschutz in Köln?

Abriss Raderbergerstr. 202

Raderberg – In Raderberg steht das Gebäude der ehemaligen Maschinenfabrik „Meyer, Roth & Pastor“ akut vor der Gefahr, der Abrissbirne zum Opfer zu fallen. Das Haus soll anderen Gebäuden, Gewerbe, Wohnungen und einer Tiefgarage weichen. Das Gebäude, mittlerweile über 100 Jahre alt, hat vieles über sich ergehen lassen müssen.

Abriss Raderbergerstr. 202
Bürgerprotest in der Raderbergerstr. – Bild: © 2010 Bronisz

Mit seinem Alter ist es Zeuge beider Weltkriege, die es unbeschadet überstanden hat. 1905 ist die damalige Schmiede „Meyer, Roth & Pastor“ von der Severinstraße in das Gebäude in Köln-Raderberg gezogen. Zuletzt, vor einigen Jahren, wurde es dann nicht mehr als Verwaltungsgebäude, sondern als Wohnhaus genutzt. Diese Art der Nutzung hätte durchaus beibehalten werden können, wenn man dieses Haus unter Denkmalschutz, was es verdient hätte, stellen würde. Doch die Stadtkonservatorin stellt sich dagegen.

Es gibt eine Bürgerinitiative in Raderberg, die sich gegen den Abriss stemmt und wiederholt dargelegt hat, warum das Gebäude denkmalschutzwürdig ist. Doch Investoreninteressen werden augenscheinlich höher eingeschätzt. Eine Vermutung, die nicht nur von dieser Initiative so gesehen wird. Der WDR hat in seiner Sendung „Lokalzeit“ über den „bedenklichen Denkmalschutz“ in Köln berichtet.

Das dass Haus erhaltungs- und denkmalschutzwürdig ist, war nicht nur durch seine Außenansicht zu erkennen. Es gehörte mit den Werkshallen zu einem Ensemble. Innen war alles erhalten, wie es vor über 100 Jahren ausgesehen hatte. Neben einem schönen Boden haben vor allem die Treppenhausfenster und die Glasscheiben in den Türen bestochen. Hier gingen mittlerweile unschätzbare Werte zu Bruch. Sie mögen vielleicht nur ideel gewesen sein, aber letztlich waren sie auch Zeugnis fast eines ganzen Jahrhunderts.

Warum man in Köln keine Achtung vor den Zeugnissen vergangener Zeiten hat, kann nur vermutet werden. Auch welche Interessen dahinterstehen kann nur spekuliert werden. Doch Beispiele finden sich in Köln genug. Zwischenfälle die einen Anlass zur Spekulation boten, ereigneten sich gegen Ende Dezember 2008. Doch muss man noch einige Jahre weiter zurück gehen.

1996 wurde das Haus komplett saniert und 2001 eine neue Heizungsanlage eingebaut. 2006 wurden vom Investor Wohnungen zum Kauf angeboten, was vermuten ließ, dass das Haus auch weiterhin als Wohnraum genutzt werden sollte. Zudem hatte der Investor selbst versucht, das Haus unter Denkmalschutz stellen zu lassen. Urplötzlich wurden die Kaufangebote zurückgezogen. Der Investor ließ das Haus offen stehen und setzte es damit zunächst der Verwahrlosung anheim. Laut der Bürgerinitiative gab er 2008 in einem Telefongespräch die Auskunft, dass ihm die Sanierungskosten zu hoch seien. In dieser Zeit war das Haus bereits in einem sehr heruntergekommenen Zustand. Kaufangebote für das unsanierte Haus wurden ebenso wie eine einvernehmliche Lösung vom Investor abgelehnt. Es war Ende Dezember 2008, als auf das Haus ein Brandanschlag verübt wurde.

Der Brand wurde zwar, -Gott sei Dank-,  schnell gelöscht, aber nicht bekannt ist, ob die Polizei auch gegen den Investor ermittelt hat. Immerhin ist er zumindest mitverantwortlich, da er, auch auf mehrmaliges Bitten der Bürgerinitiative, dass Gebäude zu verschließen und zu sichern, das Haus offen stehen ließ.

Die Bürgerinitiative Raderberger202, benannt nach der Straße, in der das Gebäude steht, hat, nach dem mehrere Eingaben bei der Stadt erfolglos waren, nun eine Petition an den Landtag NRW gestellt. Es bleibt zu hoffen, ja zu wünschen, dass der Petitionsausschuss des Landtages die Schutzwürdigkeit des Hauses erkennt und den Abriss des Gebäudes verhindern wird.

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