24 Stunden-Kita in Rodenkirchen?

Kinder sollen in einer KITA spielen und lernen. Nicht aber über Nacht geparkt werden. - Bild: Bronisz

Rodenkirchen – Zur gestrigen Sitzung in der Bezirksvertretung Rodenkirchen überraschte die Fraktion der FDP mit einem Antrag und forderte, dass im Stadtbezirk Rodenkirchen in einer städtischen KITA eine altersgemischte Gruppe mit einer 24 Stundenbetreuung eröffnet wird. Zur Begründung führte sie an, dass es dazu einen Bedarf gebe und Infratest Dimap in einer Umfrage festgestellt habe, dass 63% der befragten Eltern die Meinung vertreten, dass sich die Kindertagesstätten nicht am tatsächlichen Bedarf der Eltern orientieren würden. Zudem führte die FDP in ihrer Begründung aus, dass insbesondere Alleinerziehende aufgrund derzeitiger Öffnungszeiten der Kindertagesstätten keiner auskömmlichen Beschäftigung nachgehen könnten, da diese Öffnungszeiten sie vor Probleme stellen würde Schichtdienst im Bereich Handel und Dienstleistungen auszuführen.

Unabhängig davon, dass die FDP nicht ausgeführt hat, wie viel Personen während der Umfrage befragt wurden, konnte ich diesem Antrag nicht zustimmen. Zum einen vertrete ich die Ansicht, dass es hier eine sozialverträgliche Lösung für alle Betroffenen auf Seiten der Unternehmen geben muss. Wieso sollte es nicht möglich sein, z.B. Alleinerziehende vom Schichtdienst auszunehmen? Zum anderen vertrete ich seit Jahren auch die Auffassung, dass die Ladenöffnungszeiten in NRW, die ja auch einen 24h Betrieb ermöglichen, völlig unnötig sind. Es ist schizophren, erst die Arbeitsbedingungen für eine Beschäftigtengruppe erheblich zu verschlechtern, um sich dann anschließend darüber zu beschweren, dass es Abends und Nachts keine Betreuungsangebote gibt. Nun die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen von Erzieherinnen und Erziehern zu fordern kann nicht die Lösung sein.

Dass dieser Antrag, der gestern in der Bezirksvertretung mit den Stimmen der FDP, CDU, SPD und dem „Freien Wählern“, nur DIE LINKE. und die Grünen stimmten dagegen, angenommen wurde, ist bedauerlich. Nun stellen sie die betroffenen Erzieherinnen und Erzieher vor genau die selben Probleme, die sie meinen bei den anderen Betroffenen gelöst zu haben. Denn auch die Erzieherinnen und Erzieher haben Familie oder sind vielleicht alleinerziehend. Da scheint es den Fraktionen aber egal zu sein, wie die ihre Probleme lösen sollen. Und auch die Bemerkung der FDP, dass es ja nur eine Gruppe sei, ließ mich die Befürchtung äußern, dass aus einer Gruppe mal schnell auch eine KITA werden könnte. Und richtig, diese Befürchtung wurde schon in der Sitzung wahr, als die CDU meinte, dies auch in die Diskussion einbringen zu müssen.

Was in der Debatte auch nicht ansatzweise diskutiert und nur von mir angesprochen wurde. Die Frage, ob es für ein Kleinkind überhaupt gut ist, über Nacht aus seiner gewohnten, elterlichen Umgebung rausgenommen und in einer außerelterlichen Schlafstätte geparkt zu werden. Weiterhin haben Kindertagesstätten nach dem Kinderbildungsgesetz, KiBiz, auch einen Bildungsauftrag. Als Schlafstätte kann ein Kindergarten diesem Auftrag aber nicht nachkommen.

In meiner Sicht ist der FDP-Antrag ein völliger Fehl- und Schnellschuss. Es bedarf völlig anderer Ansätze, als die Umverteilung familiärer Probleme durch schlechte Arbeitsbedingungen. Nicht die Menschen sollten sich ständig den Änderungen der Wirtschaft, sondern die Wirtschaft sich den Bedürfnissen ihrer Beschäftigten anpassen. Eine völlig neue Diskussion ist dringend notwendig.

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